Die Platanen (Platanus, von altgriechischπλάτανοςplátanos „Platane“) bilden die einzige Gattung der Pflanzenfamilie der Platanengewächse (Platanaceae). Sie kommen vorwiegend auf der Nordhalbkugel in den gemäßigten Klimazonen Europas, Asiens und Nordamerikas vor (Holarktis). Die Art Platanus wyomingensis ist fossil bereits aus dem Eozän bekannt.
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ökologische Bedeutung
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Borke einer Ahornblättrigen Platane (Platanus × hispanica)Blütenstände der Morgenländischen Platane (Platanus orientalis)Fruchtstände einer Amerikanischen Platane (Platanus occidentalis)
Vegetative Merkmale
Platanen sind, je nach Art, laubabwerfende bis halbimmergrüne Bäume, die Wuchshöhen von 25 bis zu 50Metern erreichen. Die Borke blättert jährlich in dünnen Platten ab und hinterlässt ein typisches Mosaik aus hellgelben, grünlichen und grauen Bereichen. Platanen sind mistelfest, sind also völlig immun gegen Befall durch die Weißbeerige Mistel. Junge Laubblätter, die Rinde der jungen Zweige und die Blütenstände sind wollig mit Sternhaaren bedeckt.
Die wechselständig an den Zweigen angeordneten Laubblätter sind in Blattstiel und Blattspreite gegliedert. Die Blattspreiten sind handförmig gelappt (selten null-, sonst drei- bis siebenlappig). Das Blatt ist leicht mit dem bestimmter Ahorn-Arten zu verwechseln. Es sind Nebenblätter vorhanden.
Während der gesamten Vegetationsperiode wird vom Platanenbaum Haarstaub abgesondert, was während der Belaubungszeit wegen der vergrößerten Oberfläche zu signifikanten Mengen von Absonderungen führen kann. Die Absonderungen werden wie die Samen luftgetragen in der Umgebung eines Baumexemplares verteilt.
Blütenstände und Blüten
Platanen-Arten sind einhäusig gemischtgeschlechtig (monözisch). Die meist gestielten, kugeligen Blütenstände stehen achselständig, zumeist ein bis fünf (selten zwölf) an kurzen Zweigen, jeweils nur mit Blüten eines Geschlechtes. Die männlichen Blüten enthalten je drei bis mehr als sechs (bis acht) Kelch- und Kron- und Staubblätter. Die weiblichen Blüten enthalten drei bis vier Kelchblätter und keine Kronblätter, drei bis vier Staminodien und drei bis neun freie Fruchtblätter (Stempel). Die Bestäubung erfolgt durch den Wind.
Die Blütezeit der Platanen wird für Mitteleuropa je nach Standort zwischen der 12. Woche (Mitte März) und der 24. Woche (Ende Mai) angegeben. Die Hauptzeit für den Pollenflug gemäß Pollenkalender liegt dabei zwischen der 15. Woche (Mitte April) und 20. Woche (Mitte Mai).
Platanen werfen ihre nicht mitwachsende Rinde (Borke) regelmäßig ab, so dass der Stamm sehr fleckig erscheint
Frucht
Die Frucht verbleibt größtenteils über Winter an den Zweigen und hat eine kugelige Form mit komprimierten Fasern um ein Nüsschen als Basis. Die einsamigen und keilförmigen Achänen mit behaarter Basis (ohne Pappus) und einem kurzen beständigen Griffel, stehen zu vielen in den 2 bis 3 Zentimeter großen Fruchtverbänden zusammen.[1] Im Frühjahr zerfasert der Fruchtkörper und die Samen werden luftgetragen in der Umgebung verteilt.
Wechselwirkungen
Der vom Platanenbaum abgesonderte Haarstaub wird in der Umgebung einer Platane verteilt. Diese Absonderungen können bei Menschen und Tieren zu Reizungen der Augen, der Haut oder der Atmungswege führen. Insbesondere die Wirkung durch das Einatmen, der sogenannte Platanenhusten, ist bereits seit Alters her bekannt.[2]
Systematik
Mexikanische Platane (Platanus mexicana)Kretas größte Platane (in Krasi), eine Morgenländische Platane (Platanus orientalis), soll 2500 Jahre alt seinKalifornische Platane (Platanus racemosa)Platane am Rathaus in Bernsdorf (Sachsen)
Die Gattung Platanus wurde 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, 2 S.999 aufgestellt. Als Lectotypusart wurde 1908 Platanus orientalisL. durch Gleason in N. Amer. Fl., 22, S.227 festgelegt.[3] Der Name platanos war bereits bei den alten Griechen bekannt.[4]
Es gibt acht bis zehn Arten in der Gattung Platanus:[1]
Kerrs Platane (Platanus kerriiGagnepain): Es ist die einzige tropische, immergrüne Art in Laos und Vietnam.
Platanus lindenianaM. Martens & Galeotti: Die Heimat ist Mexiko.
Mexikanische Platane (Platanus mexicanaMoric.): Die Heimat ist Mexiko.
Platanus oaxacanaStandl.: Die Heimat ist Mexiko.
Amerikanische oder Westliche Platane (Platanus occidentalisL.): Sie ist von Kanada über weite Gebiete der USA bis Mexiko verbreitet.
Morgenländische Platane oder Orientalische Platane (Platanus orientalisL.): Ihr natürliches Verbreitungsgebiet liegt in Südwestasien und Südosteuropa. Sie wird in den gemäßigten Breiten als Ziergehölz verwendet.
Kalifornische Platane (Platanus racemosaNutt.): Sie kommt ursprünglich nur in Kalifornien und Niederkalifornien vor, wurde 1910 nach Europa eingeführt.[5]
Platanus rzedowskiiNixon & Poole: Die Heimat ist Mexiko.
Arizona-Platane (Platanus wrightiiS.Watson): Sie kommt in den US-Bundesstaaten Arizona sowie New Mexico und in den mexikanischen Bundesstaaten Chihuahua, Sinaloa sowie Sonora vor.
Ahornblättrige Platane, Gemeine oder Bastard-Platane (Platanus × hispanicaMill. ex Münchh.) ist eine Hybride aus Platanus occidentalis und Platanus orientalis.
Fossile Vertreter sind:
Platanus aceroides
Platanus dissecta
Platanus wyomingensis
Besonderheiten
Nach Deutschland kamen die ersten Exemplare über England und Frankreich im Jahre 1743. Die Platanen am Rondell in Dessau wurden 1781 von Fürst Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau gepflanzt. Sie zählen zu den ältesten ihrer Art in Deutschland und sind somit eine dendrologische Seltenheit mit ihrem Alter von fast 230 Jahren.[6]
Die Mozart-Platane in Wien ist eine Morgenländische Platane, die vermutlich im Jahre 1780 gepflanzt wurde. Sie hat einen Stammumfang von 6 Metern und ist als Naturdenkmal ausgewiesen.
In Herzogenrath wurde etwa 1750 eine Ahornblättrige Platane gepflanzt, die damit zu den ältesten dieser Art gehört. Sie ist 33Meter hoch und besitzt einen Stammumfang von 6,05Metern.[7]
Die Ahornblättrige Platane in Oelzschau im Landkreis Nordsachsen[8] wurde etwa 1668 gepflanzt und hat eine Baumhöhe von über 42Metern.
Napoleon Bonaparte soll für seine in den Krieg ziehenden Soldaten Platanen an den Landstraßen angepflanzt haben.[9] Im Jahr 1811 ließ Napoleon anlässlich der Geburt seines Sohnen in Acqui an der Straße nach Savona Platanen pflanzen, die Ende der 1960er Jahre 35 bis 40 m hoch geworden waren.[10]
Da die Rinde nicht mitwächst, fällt sie im Sommer regelmäßig mit zum Teil lautem Geräusch ab. Die Vitalität der Bäume bleibt dadurch unverändert erhalten.[11]
Literatur
Robert B. Kaul: Platanaceae – textgleich online wie gedrucktes Werk, Flora of North America Editorial Committee (Hrsg.): Flora of North America. Volume 3: Magnoliidae and Hamamelidae, Oxford University Press, New York und Oxford 1997, ISBN 0-19-511246-6. (Abschnitte Beschreibung, Verbreitung und Systematik)
Zhi-Yun Zhang, Nicholas J. Turland: Platanaceae, S.44 – textgleich online wie gedrucktes Werk, Wu Zheng-yi, Peter H. Raven (Hrsg.): Flora of China, Volume 9: Pittosporaceae through Connaraceae, Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis 2003, ISBN 1-930723-14-8. (Abschnitt Beschreibung)
Das große illustrierte Pflanzenbuch, herausgegeben u.a. von Walter Baumeister, Verlag für Wissen und Bildung, Rheda 1974
Robert B. Kaul: Platanaceae - textgleich online wie gedrucktes Werk, Flora of North America Editorial Committee (Hrsg.): Flora of North America, Volume 3: Magnoliidae and Hamamelidae, Oxford University Press, New York und Oxford 1997, ISBN 0-19-511246-6.
Meyers Konversations-Lexikon. Bibliographisches Institut, Leipzig und Wien, 1893, Bd. 13, S. 985. eingescannt
Platanus bei Tropicos.org.Missouri Botanical Garden, St. Louis, abgerufen am 27. Mai 2008
Das große illustrierte Pflanzenbuch, 1974, Seite 764
Das große illustrierte Pflanzenbuch, 1974, Seite 766
anhalt800.de: Stehen hier Deutschlands älteste Platanen? (Mementodes Originals vom 11. Oktober 2017 im Internet Archive)Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/anhalt800.de
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